Damon Galgut

Das Versprechen

Er arbeitete als Kellner und Verkäufer, war Aktmodell und Student - und hörte die ganze Zeit nicht auf, zu schreiben: Damon Galgut, 1963 geboren in Pretoria, zählt mittlerweile zu den interessantesten, literarischen Stimmen Südafrikas. Seinen ersten Roman veröffentlichte er im Alter von nur 17 Jahren, insgesamt drei Mal stand er danach auf der Shortlist für den britischen Booker Prize. Im Herbst 2021 wurde ihm die begehrte Auszeichnung endlich für seinen neunten Roman "The Promise" (deutsch: "Das Versprechen") verliehen. Darin schildert er die Geschichte einer südafrikanischen Farmerfamilie, die an ihren eigenen Widersprüchen zerbricht. Anhand von vier Beerdigungen wird der Weg Südafrikas vom Zusammenbruch des Apartheid-Regimes bis hin zum mühsamen Aufbau einer Demokratie nachgezeichnet. Das Versprechen, das die weiße Farmerfamilie Swart gegenüber ihrer schwarzen Hausangestellten Salome gebrochen hat, steht dabei sinnbildlich für das Versagen der südafrikanischen Gesellschaft, die es auch nach mehr als drei Jahrzehnten nicht geschafft hat, als Regenbogennation zusammenzuwachsen. Die deutsche Fassung des Buches ist im Luchterhand Verlag mit einer Übersetzung von Thomas Mohr erschienen.

Galgut selbst war schon früh dazu gezwungen, zum wachsamen Beobachter seiner Umgebung zu werden und den eigenen Blick auf das Leben zu schärfen: Im Alter von sechs Jahren erkrankte er an Krebs und verbrachte einen Großteil seiner Kindheit in verschiedenen Kliniken. In dieser Zeit, so sagt er in einem Interview, habe er gelernt, sich Büchern und Geschichten mit großer Aufmerksamkeit zuzuwenden und auch Trost daraus zu schöpfen. Seine persönlichen Erfahrungen beim Kampf gegen die Krankheit hielt Galgut später in der Kurzgeschichte "Small Circle of Beings fest", die 2005 in einem Sammelband erschien. Schon dort schildert er die Familie als fragiles Gebilde, das Fehlentscheidungen in Politik und Gesellschaft auf bizarre Weise widerspiegelt.

Sein eigenes Schreiben sei durch die Werke von William Faulkner, Virginia Woolf, Samuel Beckett und Patrick White beeinflusst worden, sagt Galgut. Für seinen Roman "Das Versprechen" habe er sich aber erstmals auch Techniken bedient, die sonst in der Filmdramaturgie üblich sind: So wechselt er mehrmals die Perspektiven und erzählt so personal, dass man das Gefühl hat, einer Figur mit der Kamera in der Hand zu folgen. Mitunter wird der Leser auch direkt angesprochen, oder aber der Erzähler kommentiert das Geschehen aus dem Off. Dieser stete Wechsel fördert den Lesefluss und steigert die Spannung der Geschichte. Insgesamt erhält man durch die Lektüre Einblicke in ein Land, das man auf einer Rundreise als Tourist in dieser Form niemals kennengelernt hätte.