Fiston Mwanza Mujila

Tram 83

Chaos, Bürgerkrieg, Diktatur. Das sind die Themen, mit denen sich der kongolesisch-österreichische Autor Fiston Mwanza Mujila in seinem Werk auseinandersetzt. Erzwungenermaßen, denn seine Heimat Kongo ist seit der Unabhängigkeit von der einstigen Kolonialmacht Belgien im Jahr 1960 ein durch Kriege, Korruption und Armut gezeichnetes Land.

Er selbst wurde 1981 mitten in die Mobutu-Diktatur hinein geboren und absolvierte seine schulische sowie seine universitäre Ausbildung in Lubumbashi, der zweitgrößten Stadt der Demokratischen Republik Kongo. Von seinen Eltern sei er stets zum Lesen angeregt worden, sagt er in einem Interview, deshalb habe Literatur schon früh eine große Bedeutung für ihn gehabt. Im Jahr 2007 siedelte Mujila nach Europa über, lebte in Belgien, Frankreich und Deutschland. Als Gewinner eines Stadtschreiber-Stipendiums zog es ihn nach Graz, wo er seit 2009 lebt und arbeitet - unter anderem als Dozent für afrikanische Literatur an der dortigen Universität.

Tanz der Teufel

Mujila schreibt Prosa, Theaterstücke, Lyrik und Essays. Für seinen Roman "La danse du Vilain" wurde ihm 2021 der Schweizer "Prix Les Afriques" zugesprochen, mit dem Autoren afrikanischer Herkunft gezielt gefördert werden sollen. Der Roman thematisiert Migration und den Missbrauch von Bodenschätzen durch die beherrschende politische Klasse des Kongo. In deutscher Übersetzung erscheint das Buch unter dem Titel "Tanz der Teufel" im Zsolnay Verlag, übersetzt von Katharina Meyer und Lena Müller. Die beiden Übersetzerinnen haben auch das Debüt Mujilas ins Deutsche übertragen, das unter dem Titel "Tram 83" ebenfalls bei Zsolnay veröffentlicht wurde.

Mit diesem mehrfach preisgekrönten Erstling schaffte der Autor seinen Durchbruch in der internationalen Literaturszene. Neben einer Nominierung für den Man Booker International Prize brachte ihm das Werk den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin sowie den österreichischen Peter-Rosegger-Literaturpreis der Steiermark ein.

"Tram 83" ist die Geschichte eines verruchten Nachtklubs in einer namenlosen, afrikanischen Stadt, in dem der junge Schriftsteller Lucien seinen besten Freund aus Jugendtagen nach langen Jahren wiedertrifft. Über eine Spanne von mehr als 220 Seiten streiten die beiden miteinander in drastischer Sprache, rauben eine Mine aus, tanzen, betrinken sich, werden attackiert und suchen verzweifelt das Glück. Das Werk wurde wiederholt für die Bühne in Szene gesetzt, in Deutschland zum Beispiel für das Nationaltheater in Mannheim. "Ich komponiere meine Texte wie ein Jazzmusiker, wie ein Saxophonist", sagt der Autor von sich in einem Interview. Entsprechend leicht lassen sie sich lesen - der überaus schweren Thematik zum Trotz, die den Leser mitunter verstört zurücklässt.

Sounding Archives - Poesie zwischen Experiment und Dokument


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